Was ist Journalistik?

Das “Portal Kleine Fächer” hat mich in einem Interview gebeten, unser Fach Journalistik vorzustellen und zu charakterisieren – zeitgleich mit der Japanologie. Die Arbeitsstelle Kleine Fächer der Universität Mainz, die das Portal betreibt, kartiert seit mehr als 20 Jahren Stand und Entwicklung der kleinen Fächer in Deutschland. Sie wird dabei u.a. unterstützt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und von der Hochschulrektorenkonferenz. Die Journalistik ist eines von 151 kleinen Fächern an deutschen Universitäten.

New paper out: Audience Engagement in post truth age

Our paper on “Audience Engagement In a Post-Truth Age” has been published in the journal “digital journalism”. In any discussion about a “post-truth age,” the audience is both part of the problem and part of the solution. The authority of journalism is called into question if everyone can participate in generating and spreading verified and unverified, relevant and irrelevant “news.” At the same time, journalism can integrate the audience into the editorial process and dialogue in an unprecedented variety of ways, thereby disclosing the way journalism works and raising awareness for the difference between journalism and any form of mis- and disinformation. Thus “Audience Engagement” is becoming a key factor for journalism in a post-truth era. This article analyses dimensions of audience engagement in a holistic sense. Key findings were gathered through interviews with practitioners within the innovative training format “Learning Lab Audience Engagement.” Factors for a successful audience engagement comprise a paradigm shift away from a “lecturing” towards a “dialogue” approach. This approach changes not only journalism, media and newsroom cultures: Educational institutions have to change their attitude accordingly. The experience of the participants suggests that a broad understanding of media and training organisations alike as “engaging organisations” brings with it several challenges and limitations but can help to raise trust.

Klaus Meier, Daniela Kraus, and Edith Michaeler: Audience Engagement in a Post-Truth Age. What it means and how to learn the activities connected with it. In: Digital Journalism, online first, 25 September 2018 (DOI: 10.1080/21670811.2018.1498295). If you do not have access: For the full paper, please send me a mail or use this link which provides some free eprints: https://www.tandfonline.com/eprint/zvKe58EtVWEJdvqYMNay/full.

Zur Berichterstattung über Kriminalität: Offener Brief an den BDZV-Präsidenten

Wenn der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger dazu auffordert, dass die Zeitungen intensiver über die Straftaten von Asylbewerbern, Flüchtlingen und anderen Ausländern berichten sollten, dann kann man das als Journalismusforscher nicht unwidersprochen stehen lassen. Ich habe Herrn Dr. Döpfner einen offenen Brief geschrieben.

Amerikanisch-deutsche Debatte um den deutschen Journalismus

Der geschätzte New Yorker Journalistik-Professor Jay Rosen hat in der FAZ einen “Brief an deutsche Journalisten” veröffentlicht. Das Medien-Portal meedia.de bat mich um eine kritische Prüfung seiner Analyse. Ich finde, dass sein Text durchaus inspirierend ist, aber an entscheidenden Stellen zum Teil banal, zum Teil schwammig – und vor allem missverständlich. Diese Stellen habe ich aufgegriffen und aus Sicht der Journalismusforschung versucht zu erhellen und zu vertiefen.

Journalismus als Hüter der Demokratie

Wie wichtig Journalismus für die Demokratie ist, ist uns gerade in jüngster Zeit wieder mehr bewusst geworden – nicht nur in den USA oder in Ländern mit rechtspopulistischen Regierungen in Europa, sondern auch in Deutschland. Bei der Verabschiedung der Absolventinnen und Absolventen am Eichstätter Studiengang Journalistik habe ich in einer Rede darauf verwiesen, dass sich Journalismus immer als Hüter der Demokratie und der grundlegenden Werte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität begreifen muss. „Democracy dies in darkness“ schreibt die Washington Post seit gut einem Jahr als Motto auf ihre Titelseite. Licht in die gesellschaftlichen Verhältnisse zu bringen, hinter die oftmals einseitigen Narrationen und Stereotypen der Politik zu blicken, das ist die Kernaufgabe des Journalismus und daran muss sich journalistische Qualität messen lassen. Journalismus ist das immerwährende Projekt der Aufklärung und lebenswichtig für das Funktionieren einer erfolgreichen Demokratie.

Die Rede ist als Video auf YouTube dokumentiert und wurde in leicht veränderter Fassung als Gastbeitrag von den Nürnberger Nachrichten veröffentlicht: „Von Hütern der Demokratie und ihren Gegenspielern. Warum Journalismus so wichtig für unsere Gesellschaft ist und bleiben wird: Ein Gastbeitrag des Eichstätter Professors Klaus Meier“. In: Nürnberger Nachrichten vom 24. Juli 2018, S. 15. Eine gekürzte Fassung des Gastbeitrags findet sich auf nordbayern.de.

Internationales Netzwerk innovamedia.net gegründet

Bildschirmfoto 2018-06-14 um 15.16.15Zusammen mit Prof. José A. García-Avilés (Elche/Spanien) und Dr. Andy Kaltenbrunner (Medienhaus Wien) durfte ich heute das internationale Netzwerk innovamedia.net ins Leben rufen: Das Netzwerk bringt Wissenschaftler und Journalisten zusammen, die sich mit Innovationen in Journalismus und Medien beschäftigen. Das Netzwerk wird unterstützt von einem “Advisory Team”, dem zum Beispiel angehören: Miriam Hernanz, Leiterin des RTVE Lab des spanischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks, Romanus Otte, Leiter des Axel Springer Global Network, Jens Radü, Leiter des Ressorts Multimedia, Der Spiegel, and Nevena Rsumović, Projektmanagerin am Center for Investigative Journalism in Serbien. Zurzeit sind 27 Mitglieder aus acht Ländern über innovamedia.net vernetzt.

Ziel des Netzwerks ist der Austausch von Ideen, die Kooperation in Projekten und die Veranstaltung von internationalen Konferenzen und Meetings. Das erste Event wird der Media Innovation Day am 19. Oktober 2018 in Wien sein. Wer in diesem Themengebiet arbeitet und Mitglied werden möchte, kann sich auf der Website eintragen. Fragen dazu gerne an mich per Mail.

Lehrbuch Journalistik: 4. Auflage erschienen

Journalistik_4_KartonWas müssen Studierende im Fach Journalistik/Journalismus im ersten oder zweiten Semester wissen? Im digitalen Zeitalter mit einem raschen Medienwandel ist diese Frage nicht leicht zu beantworten. Im vergangenen halben Jahr habe ich mich damit wieder intensiv beschäftigt und das Lehrbuch Journalistik, das 2007 zum ersten Mal erschienen ist, erneut überarbeitet. Heute ist die vierte Auflage erschienen.

Grundlage bleibt mit Sicherheit die Aufgabe des Journalismus in Gesellschaft und Demokratie (und damit ein wesentlicher Baustein zur Theorie des Journalismus), aber auch die Forschungsmethoden und wichtigsten Erkenntnisse der Journalismusforschung sind basal. Dazu gehören klassisch die Geschichte des Journalismus und ein weltweiter Vergleich der Kommunikationsfreiheit, die Nutzung und Wirkung von Journalismus und Medien, die ökonomischen Grundlagen von Medienunternehmen, die Herausforderungen der Redaktionsorganisation oder zentrale Debatten um Realität und Objektivität, Qualität und Ethik. In vielen Kapiteln und Unterkapiteln mussten Entwicklungen der letzten Jahre ergänzt werden (Social Media, YouTuber, Fake News, Filterblasen, Netzwerkdurchsetzungsgesetz – um nur ein paar Schlagworte zu nennen). Zudem mussten natürlich alle Zahlen, Daten und Tabellen auf den neuesten Stand gebracht werden.

Ist die Überarbeitung gelungen? Für Kritik und Lob, Anregungen und Ergänzungen per Mail oder als Kommentar zu diesem Betrag hier danke ich sehr. Mit Erscheinen der vierten Auflage werde ich das Blog zum Buch nun endgültig aufgeben; es wird zumindest für einige Zeit als Archiv öffentlich bleiben. Ich habe ja schon seit zweieinhalb Jahren nichts mehr darin geschrieben. Andere Plattformen, wie die Website des Studiengangs Journalistik, dieser persönliche Blog hier oder meine berufliche Kommunikation auf Facebook bieten Möglichkeiten genug.

Podiumsdiskussion auf ARD-alpha: Bildung im digitalen Zeitalter

Meier_ARD-alpha_Mai2018Der Fernsehbildungskanal ARD-alpha ist 20 Jahre alt. Zu diesem Anlass durfte ich an einer Podiumsdiskussion teilnehmen, die am 23. Mai gesendet wurde und die in der Mediathek abrufbar ist. Nach Keynotes von Bayerns Kultusminister Bernd Sibler und BR-Intendant Ulrich Wilhelm diskutierte ich mit Klaudia Wick (Deutsche Kinemathek Berlin), Sabine Frank (Google Deutschland), Prof. Dr. Hartmut Rosa (Friedrich-Schiller-Universität Jena) und BR-Fernsehdirektor Dr. Reinhard Scolik über die Herausforderungen der Digitalisierung für Politik, Gesellschaft und Medien. Welche Rolle spielen die Medien angesichts dieser Entwicklung? Wie hat sich der Bildungsauftrag der öffentlich-rechtlichen Medien im digitalen Zeitalter verändert?

Eine meiner Thesen: Der Bildungsauftrag muss noch stärker mit dem Informationsauftrag zusammenwachsen; Nachrichten müssen in Zusammenhänge gebracht und noch stärker erklärt werden, z.B. durch neue Erklärformate im Fernsehen selbst (z.B. Vorbild Kindernachrichten) oder auf digitalen Plattformen (z.B. Tagesschau auf Instagram). ARD-Brennpunkte könnten durch ARD-Orientierungspunkte ergänzt werden, damit die Menschen sehen, dass News nicht nur wichtig sind, wenn die Welt brennt, sondern auch um zu verstehen, wie Gesellschaft und Politik funktionieren, wie Probleme auch gelöst werden, dass Politik aus mühsamen Prozessen und Kompromissen besteht und nicht nur aus kurzen, oft provozierenden Soundbites/Statements der Nachrichtensendungen etc.

Constructive Journalism: article on the reaction of the audience published

ConstructiveThe international scientific journal “Journalism Practice” has published my article “How Does the Audience Respond to Constructive Journalism?” with a couple of other articles in a special issue on constructive forms in journalism. You can find my original article here; if you are interested, but do not have access, please send me a note.

Taking a holistic definition of constructive journalism as a basis, two experiments examined the audience responses to German-language news and features presented to readers and radio listeners in both constructive and non-constructive versions. The results are multifaceted. On the micro-level, constructive forms can counteract a negative view of the world because the audience recognises a solution-orientation and underlying spirit of hope. The increased willingness to share constructive stories indicates, on the macro-level, that constructive reporting can raise the perception of possible solutions and role models and hence encourage engagement and emulation. But the hopeful prospects should not be used to simply garnish a difficult problem at any price and maintaining a distance from positive examples is advisable—otherwise, the constructive story runs the risk of being perceived as a commercial or political influence.