Eine Einschätzung zur Zukunft des Lokaljournalismus und der lokalen Tageszeitung

MEEDIA hat mich um eine Einschätzung zum Lokaljournalismus und zur Lokalzeitung gebeten. Eine Diagnose zu Qualität, Aufgaben und Überlebensfähigkeit. Mit einem Blick nach Spanien und in die USA. Müssen wir uns Sorgen machen um die lokale Öffentlichkeit und Demokratie? Für den Beitrag habe ich auch die Trendlinie zur Entwicklung der gedruckten Auflage von Tageszeitungen neu berechnet: 2012 durchbrach der prognostizierte Trend im Jahr 2034 die Nulllinie – jetzt ist dies schon im Jahr 2033 der Fall.

Aufsatz erschienen: Innovative Journalistenausbildung durch Transferprojekte

Die Journalistenausbildung an Hochschulen hat traditionell zwei Säulen: Kommunikationswissenschaft und praktisches handwerkliches Training. In unserem Masterstudiengang „Journalistik mit Schwerpunkt Innovation und Management“ haben wir eine dritte Säule eingezogen, die gleichzeitig die beiden anderen Säulen verbindet: Transferprojekte mit Redaktionen. Studierende forschen zu Fragestellungen der Praxis, zu den Herausforderungen des Journalismus im digitalen Zeitalter, zu innovativen Formaten und zu neuen Strukturen und Workflows in Redaktionen. Kooperationspartner sind zum Beispiel der Bayerische Rundfunk oder der Spiegel.

Die Erkenntnisse aus sieben Jahren Erfahrung mit solchen Projekten habe ich jetzt zusammen mit Jonas Schützeneder ausgewertet und in einer internationalen Fachzeitschrift veröffentlicht: Bridging the Gaps: Transfer Between Scholarly Research and Newsrooms in Journalism Education—Toward an Evidence-Based Practice in an Age of Post-Truth and State of Flux.

Wer sich für den Aufsatz interessiert, aber keinen Zugang zu dieser Zeitschrift hat, schreibt mir bitte eine Mail.

Buchbeitrag zu Berichterstattungsmustern erschienen

Objektive Berichterstattung oder Investigativer, Interpretativer oder Erzählerischer Journalismus. Oder neuerdings Datenjournalismus, Konstruktiver, Konfliktsensitiver oder Fact-Checking-Journalismus. Was unterscheidet diese Journalismen? Die Journalismusforschung verwendet zur Unterscheidung und Charakterisierung den Begriff der „Berichterstattungsmuster“. Sie unterscheiden sich im Bezug zur Wirklichkeit, indem sie unterschiedliche Themen aufgreifen und diese jeweils anders bearbeiten. Sie haben verschiedene Intentionen und Qualitätsvorstellungen – und sie sind zu einem Teil der persönlichen Einstellung der Journalisten, der redaktionellen Routinen und der allgemeinen Berufskultur geworden. Berichterstattungsmuster sind seit 35 Jahren ein randständiges Thema der Journalismusforschung, aber ein wichtiges Kapitel in allen Lehrbüchern und damit der Kanonisierung des Faches. Für diesen Buchbeitrag habe ich Berichterstattungsmuster erstmals mit einer qualitativen Inhaltsanalyse systematisch kategorisiert: Berichterstattungsmuster als Strategie der Komplexitätsreduktion.

Was ist Journalistik?

Das „Portal Kleine Fächer“ hat mich in einem Interview gebeten, unser Fach Journalistik vorzustellen und zu charakterisieren – zeitgleich mit der Japanologie. Die Arbeitsstelle Kleine Fächer der Universität Mainz, die das Portal betreibt, kartiert seit mehr als 20 Jahren Stand und Entwicklung der kleinen Fächer in Deutschland. Sie wird dabei u.a. unterstützt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und von der Hochschulrektorenkonferenz. Die Journalistik ist eines von 151 kleinen Fächern an deutschen Universitäten.

New paper out: Audience Engagement in post truth age

Our paper on „Audience Engagement In a Post-Truth Age“ has been published in the journal „digital journalism“. In any discussion about a “post-truth age,” the audience is both part of the problem and part of the solution. The authority of journalism is called into question if everyone can participate in generating and spreading verified and unverified, relevant and irrelevant “news.” At the same time, journalism can integrate the audience into the editorial process and dialogue in an unprecedented variety of ways, thereby disclosing the way journalism works and raising awareness for the difference between journalism and any form of mis- and disinformation. Thus “Audience Engagement” is becoming a key factor for journalism in a post-truth era. This article analyses dimensions of audience engagement in a holistic sense. Key findings were gathered through interviews with practitioners within the innovative training format “Learning Lab Audience Engagement.” Factors for a successful audience engagement comprise a paradigm shift away from a “lecturing” towards a “dialogue” approach. This approach changes not only journalism, media and newsroom cultures: Educational institutions have to change their attitude accordingly. The experience of the participants suggests that a broad understanding of media and training organisations alike as “engaging organisations” brings with it several challenges and limitations but can help to raise trust.

Klaus Meier, Daniela Kraus, and Edith Michaeler: Audience Engagement in a Post-Truth Age. What it means and how to learn the activities connected with it. In: Digital Journalism, online first, 25 September 2018 (DOI: 10.1080/21670811.2018.1498295). If you do not have access: For the full paper, please send me a mail or use this link which provides some free eprints: https://www.tandfonline.com/eprint/zvKe58EtVWEJdvqYMNay/full.

Zur Berichterstattung über Kriminalität: Offener Brief an den BDZV-Präsidenten

Wenn der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger dazu auffordert, dass die Zeitungen intensiver über die Straftaten von Asylbewerbern, Flüchtlingen und anderen Ausländern berichten sollten, dann kann man das als Journalismusforscher nicht unwidersprochen stehen lassen. Ich habe Herrn Dr. Döpfner einen offenen Brief geschrieben.

Amerikanisch-deutsche Debatte um den deutschen Journalismus

Der geschätzte New Yorker Journalistik-Professor Jay Rosen hat in der FAZ einen „Brief an deutsche Journalisten“ veröffentlicht. Das Medien-Portal meedia.de bat mich um eine kritische Prüfung seiner Analyse. Ich finde, dass sein Text durchaus inspirierend ist, aber an entscheidenden Stellen zum Teil banal, zum Teil schwammig – und vor allem missverständlich. Diese Stellen habe ich aufgegriffen und aus Sicht der Journalismusforschung versucht zu erhellen und zu vertiefen.

Journalismus als Hüter der Demokratie

Wie wichtig Journalismus für die Demokratie ist, ist uns gerade in jüngster Zeit wieder mehr bewusst geworden – nicht nur in den USA oder in Ländern mit rechtspopulistischen Regierungen in Europa, sondern auch in Deutschland. Bei der Verabschiedung der Absolventinnen und Absolventen am Eichstätter Studiengang Journalistik habe ich in einer Rede darauf verwiesen, dass sich Journalismus immer als Hüter der Demokratie und der grundlegenden Werte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität begreifen muss. „Democracy dies in darkness“ schreibt die Washington Post seit gut einem Jahr als Motto auf ihre Titelseite. Licht in die gesellschaftlichen Verhältnisse zu bringen, hinter die oftmals einseitigen Narrationen und Stereotypen der Politik zu blicken, das ist die Kernaufgabe des Journalismus und daran muss sich journalistische Qualität messen lassen. Journalismus ist das immerwährende Projekt der Aufklärung und lebenswichtig für das Funktionieren einer erfolgreichen Demokratie.

Die Rede ist als Video auf YouTube dokumentiert und wurde in leicht veränderter Fassung als Gastbeitrag von den Nürnberger Nachrichten veröffentlicht: „Von Hütern der Demokratie und ihren Gegenspielern. Warum Journalismus so wichtig für unsere Gesellschaft ist und bleiben wird: Ein Gastbeitrag des Eichstätter Professors Klaus Meier“. In: Nürnberger Nachrichten vom 24. Juli 2018, S. 15. Eine gekürzte Fassung des Gastbeitrags findet sich auf nordbayern.de.

Internationales Netzwerk innovamedia.net gegründet

Bildschirmfoto 2018-06-14 um 15.16.15Zusammen mit Prof. José A. García-Avilés (Elche/Spanien) und Dr. Andy Kaltenbrunner (Medienhaus Wien) durfte ich heute das internationale Netzwerk innovamedia.net ins Leben rufen: Das Netzwerk bringt Wissenschaftler und Journalisten zusammen, die sich mit Innovationen in Journalismus und Medien beschäftigen. Das Netzwerk wird unterstützt von einem „Advisory Team“, dem zum Beispiel angehören: Miriam Hernanz, Leiterin des RTVE Lab des spanischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks, Romanus Otte, Leiter des Axel Springer Global Network, Jens Radü, Leiter des Ressorts Multimedia, Der Spiegel, and Nevena Rsumović, Projektmanagerin am Center for Investigative Journalism in Serbien. Zurzeit sind 27 Mitglieder aus acht Ländern über innovamedia.net vernetzt.

Ziel des Netzwerks ist der Austausch von Ideen, die Kooperation in Projekten und die Veranstaltung von internationalen Konferenzen und Meetings. Das erste Event wird der Media Innovation Day am 19. Oktober 2018 in Wien sein. Wer in diesem Themengebiet arbeitet und Mitglied werden möchte, kann sich auf der Website eintragen. Fragen dazu gerne an mich per Mail.